Kältemittel in Wärmepumpen: Was Hausbesitzer unbedingt wissen sollten

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Kältemittel für Wärmepumpen spielen eine entscheidende Rolle für unsere Umwelt, da sie erhebliche Auswirkungen auf den Klimawandel haben können. Tatsächlich sind Kältemittel wie R-410A bis zu 2.090 Mal schädlicher für das Klima als CO₂. Dies verdeutlicht, warum die Wahl des richtigen Kältemittels für Hausbesitzer immer wichtiger wird.

Mit der F-Gase-Verordnung (EU) Nr. 517/2014 hat die Europäische Union bereits Massnahmen ergriffen, um die Emissionen fluorierter Treibhausgase zu reduzieren. Ab 2025 dürfen deshalb nur noch Wärmepumpen mit Kältemitteln verkauft werden, die einen GWP-Wert von 750 oder weniger aufweisen. Natürliche Alternativen wie Propan (R-290) bieten hier eine umweltfreundliche Lösung mit einem GWP-Wert von nur 3. Allerdings nutzen die meisten Wärmepumpen aktuell noch halogenierte Fluorkohlenwasserstoffe (HFKW) als Kältemittel.

In diesem Ratgeber erklären wir Ihnen alles, was Sie als Hausbesitzer über Kältemittel in Wärmepumpen wissen sollten. Wir gehen auf die Funktionsweise ein, vergleichen verschiedene Kältemitteltypen und informieren Sie über die gesetzlichen Änderungen, die auf uns zukommen.

Was ist ein Kältemittel und wie funktioniert es?

In Wärmepumpen sorgt das Kältemittel für den eigentlichen Wärmetransport – von der Umgebung in Ihr Heizsystem. Doch was genau steckt hinter diesem wichtigen Fluid und wie funktioniert es in Ihrer Anlage?

Definition und physikalische Eigenschaften

Ein Kältemittel ist laut DIN EN 378-1 definiert als “Fluid, das zur Wärmeübertragung in einer Kälteanlage eingesetzt wird, und das bei niedriger Temperatur und niedrigem Druck Wärme aufnimmt und bei höherer Temperatur und höherem Druck Wärme abgibt, wobei üblicherweise Zustandsänderungen des Fluids erfolgen”. Dieses technische Medium hat spezielle chemische Eigenschaften, die für den Betrieb von Wärmepumpen und Kälteanlagen unerlässlich sind.

Zu den wichtigsten physikalischen Eigenschaften eines guten Kältemittels gehören:

  • Niedrige Siedetemperaturen, damit es schon bei geringen Temperaturen verdampft
  • Hohe Wärmeleitfähigkeit für effizienten Energietransport
  • Hohe spezifische Verdampfungsenthalpie (Verdampfungswärme)
  • Chemische Stabilität und gute Mischbarkeit mit Öl

Diese Eigenschaften ermöglichen es dem Kältemittel, Wärme selbst bei niedrigen Umgebungstemperaturen aufzunehmen. Ein optimales Kältemittel sollte darüber hinaus weder brennbar noch giftig sein, obwohl dies in der Praxis oft einen Kompromiss darstellt.

Unterschied zwischen Kältemittel und Kühlmittel

Diese Begriffe werden häufig verwechselt, unterscheiden sich jedoch grundlegend: Ein Kältemittel kann entgegen einem Temperaturgradienten Wärme transportieren und somit aktiv Kälte erzeugen. Beim Betrieb findet ein Phasenwechsel zwischen flüssigem und gasförmigem Zustand statt, der für den effizienten Wärmetransport unerlässlich ist.

Ein Kühlmittel hingegen transportiert Wärme lediglich entlang des natürlichen Temperaturgefälles von wärmeren zu kälteren Bereichen. Es bleibt dabei in seinem ursprünglichen Aggregatzustand – typischerweise flüssig wie bei der Kühlflüssigkeit im Motor Ihres Autos.

Zusammengefasst: Während das Kältemittel aktiv zur Erzeugung von Kälte bzw. Wärme dient, ist das Kühlmittel nur für den passiven Wärmetransport zuständig. Folglich benötigen moderne Heizsysteme wie Wärmepumpen zwingend ein Kältemittel und kein Kühlmittel für ihren Betrieb.

Warum Kältemittel für Wärmepumpen unverzichtbar sind

Kältemittel sind das Herzstück jeder Wärmepumpe. Ohne sie wäre der gesamte thermodynamische Prozess nicht möglich. In Wärmepumpen durchläuft das Kältemittel einen geschlossenen Kreislauf, der aus vier wesentlichen Schritten besteht:

  1. Verdampfung: Das Kältemittel nimmt Umweltwärme auf und verdampft bereits bei niedrigen Temperaturen
  2. Verdichtung: Der Verdichter erhöht Druck und Temperatur des gasförmigen Kältemittels
  3. Verflüssigung: Das heisse Gas gibt seine Wärme an das Heizsystem ab und kondensiert wieder
  4. Entspannung: Der Druck wird reduziert, das Kältemittel kehrt in seinen Ausgangszustand zurück

Durch diesen kontinuierlichen Prozess kann eine Wärmepumpe selbst bei niedrigen Aussentemperaturen genügend Wärme gewinnen, um ein Haus effizient zu beheizen. Die dabei erzielte Wärmeübertragung von einem niedrigeren auf ein höheres Temperaturniveau wäre ohne Kältemittel physikalisch unmöglich.

Besonders bemerkenswert: Kältemittel bleiben normalerweise während der gesamten Lebensdauer einer Wärmepumpe im geschlossenen System und müssen nur bei Leckagen nachgefüllt werden. Die Wahl des richtigen Kältemittels beeinflusst nicht nur die Umweltverträglichkeit, sondern auch massgeblich die Effizienz und Betriebskosten Ihrer Anlage.

Der Kältemittelkreislauf in Wärmepumpen

Der Kältemittelkreislauf bildet das technische Herzstück jeder Wärmepumpe und funktioniert nach einem präzisen thermodynamischen Prinzip. Dieser geschlossene Kreislaufprozess ermöglicht es, Wärmeenergie von einem niedrigeren auf ein höheres Temperaturniveau zu “pumpen”. Dabei durchläuft das Kältemittel vier klar definierte Phasen, die zusammen einen kontinuierlichen Prozess bilden.

  1. Verdampfung: Wärmeaufnahme aus der Umgebung

Im ersten Schritt des Kreislaufs strömt das flüssige Kältemittel durch den Verdampfer, wo es mit der Wärmequelle – Luft, Erdreich oder Grundwasser – in Kontakt kommt. Die besondere Eigenschaft des Kältemittels ist sein aussergewöhnlich niedriger Siedepunkt, der es ihm ermöglicht, selbst bei niedrigen Umgebungstemperaturen zu verdampfen. Während dieses Prozesses nimmt das Kältemittel die Umgebungswärme auf und wechselt vom flüssigen in den gasförmigen Aggregatzustand.

Hierbei gilt ein wichtiges physikalisches Prinzip: Die Umgebungstemperatur muss stets höher sein als die Verdampfungstemperatur des Kältemittels, damit ein Temperaturgradient vorhanden ist, der für die Wärmeübertragung erforderlich ist. Durch die Aufnahme der Verdampfungsenthalpie entzieht das Kältemittel seiner Umgebung effektiv Wärme.

  1. Verdichtung: Druck- und Temperaturerhöhung

Nach der Verdampfung wird das nun gasförmige Kältemittel vom Verdichter (auch Kompressor genannt) angesaugt und stark komprimiert. Durch diesen Verdichtungsvorgang steigen sowohl der Druck als auch die Temperatur des Kältemitteldampfes erheblich an. Die mechanische Energie zur Verdichtung stammt dabei aus einem strombetriebenen Elektromotor.

Dieser Schritt ist entscheidend für die Funktion der Wärmepumpe, denn erst durch die Verdichtung erreicht die zuvor aufgenommene Umgebungsenergie ein zum Heizen ausreichendes Temperaturniveau. Der Verdichter wird so geregelt, dass die zum Verdichtungsenddruck zugehörige Sattdampftemperatur einige Grad über der Temperatur der Wärmesenke (dem Heizsystem) liegt. Allerdings steigt der Stromverbrauch des Verdichters ab einer Heiztemperatur von etwa 50 °C deutlich an.

  1. Verflüssigung: Wärmeabgabe an das Heizsystem

Im dritten Schritt gelangt das heisse, komprimierte Kältemittel in den Verflüssiger (Kondensator). Hier gibt das Kältemittel seine aufgenommene Wärmeenergie über einen Wärmetauscher an das Heizsystem des Hauses ab – sei es an eine Fussbodenheizung, Heizkörper oder den Warmwasserspeicher.

Während dieses Prozesses kühlt sich das Kältemittel allmählich ab und kondensiert wieder zu einer Flüssigkeit. Die dabei freigesetzte Kondensationswärme entspricht der im Verdampfer aufgenommenen thermischen Energie zuzüglich der durch den Verdichter eingebrachten elektrischen Antriebsenergie. Nach der Verflüssigung wird das Kältemittel noch weiter unterkühlt, um Dampfblasen vor dem nächsten Schritt zu vermeiden. Infos unter https://www.stiebel-eltron.ch/de/home/produkte-loesungen/erneuerbare_energien/waermepumpe/faq-planung/kaeltemittel.html

  1. Entspannung: Rückführung in den Ausgangszustand

Im letzten Schritt des Kreislaufs durchläuft das flüssige Kältemittel das Expansionsventil – auch Drosselorgan genannt. Hier wird der Druck des Kältemittels abrupt reduziert, wodurch es sich entspannt und stark abkühlt. Diese Drucksenkung bereitet das Kältemittel darauf vor, im Verdampfer erneut Wärme aus der Umgebung aufzunehmen.

Das Expansionsventil regelt zudem präzise die Kältemittelmenge, die in den Verdampfer gelangt, und stellt sicher, dass das Kältemittel leicht überhitzt wird, bevor es in den Verdichter gelangt. Dies verhindert schädliche Flüssigkeitsschläge, die den Verdichter beschädigen könnten.

Nach dem Durchlaufen des Expansionsventils hat das Kältemittel wieder seinen ursprünglichen Zustand erreicht – niedrige Temperatur, niedriger Druck und überwiegend flüssige Form. Der Kreislauf beginnt erneut, und dieser kontinuierliche Prozess ermöglicht es der Wärmepumpe, zuverlässig Wärme zu liefern.

Der Wirkungsgrad dieses Kreislaufs wird als Leistungszahl (COP – Coefficient Of Performance) bezeichnet und gibt das Verhältnis von abgegebener Wärmeleistung zu zugeführter elektrischer Verdichterleistung an.

Kältemittel im Vergleich: Natürlich vs. synthetisch

Bei der Wahl einer Wärmepumpe stellt die Art des Kältemittels einen wesentlichen Faktor dar. Der Trend geht klar in Richtung umweltfreundlicherer Optionen, wobei zwischen natürlichen und synthetischen Kältemitteln unterschieden wird.

Natürliche Kältemittel: CO₂, Propan, Ammoniak

Natürliche Kältemittel sind Stoffe, die direkt in der Natur vorkommen. Obwohl auch sie industriell hergestellt werden, unterscheiden sie sich grundlegend von synthetischen Alternativen:

Propan (R290) gilt für viele als Mittel der Wahl. Mit einem extrem niedrigen GWP-Wert von 3 ermöglicht es hohe Vorlauftemperaturen von bis zu 75 °C. Besonders vorteilhaft: Propan ist unbegrenzt verfügbar, zukunftssicher und preisgünstig. Allerdings ist es leicht entzündlich, weshalb entsprechende Sicherheitsvorkehrungen notwendig sind.

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Kohlendioxid (CO₂/R744) hat mit einem GWP-Wert von 1 praktisch keine klimaschädliche Wirkung. Als nicht brennbares und ungiftiges Kältemittel eignet es sich besonders für Supermarktkälte und Gewerbekühlung. Die Herausforderung: CO₂-Systeme erfordern hohe Betriebsdrücke von bis zu 130 bar und spezielle Komponenten.

Ammoniak (R717/NH3) wird hauptsächlich in industriellen Anwendungen eingesetzt. Mit einem GWP von 0 ist es klimaneutral. Allerdings ist Ammoniak toxisch und unter bestimmten Bedingungen brennbar, was seine Verwendung im Wohnbereich einschränkt.

Synthetische Kältemittel: R32, R410A, R134a

Synthetische Kältemittel werden künstlich hergestellt und gehören chemisch zu den halogenierten Kohlenwasserstoffen:

R410A ist eine Mischung aus R32 und R125 mit einem GWP von 2088. Es bietet hervorragende thermodynamische Eigenschaften, hohe Energieeffizienz und gilt als sehr sicher. Aufgrund des hohen GWP-Werts unterliegt es jedoch zunehmenden Beschränkungen.

R32 hat einen moderaten GWP-Wert von 675 und wird häufig als Übergangslösung betrachtet. Dieses Kältemittel ist hochentzündlich, bietet jedoch eine höhere Energieeffizienz als R410A.

R134a wird besonders in Transport- und Gewerbekälteanlagen eingesetzt. Mit einem GWP von 1430 ist es stark klimaschädlich und unterliegt einer enormen Preissteigerung (bis zu 400 Prozent) aufgrund der F-Gase-Verordnung.

GWP-Werte im Überblick

Der GWP-Wert (Global Warming Potential) gibt an, wie stark ein Kältemittel im Vergleich zu CO₂ zur globalen Erwärmung beiträgt. Je höher der Wert, desto klimaschädlicher ist das Kältemittel. Ein Vergleich:

Kältemittel Typ GWP-Wert
R717 (Ammoniak) Natürlich 0 [173]
R744 (CO₂) Natürlich 1 [173]
R290 (Propan) Natürlich 3
R32 Synthetisch 675 [172]
R134a Synthetisch 1430
R407C Synthetisch 1774
R410A Synthetisch 2088 [141]

Vor- und Nachteile beider Gruppen

Natürliche Kältemittel bieten folgende Vorteile: geringes Treibhauspotenzial, keine Ozonstörung, gute thermodynamische Eigenschaften, langfristige Verfügbarkeit und günstige Preise. Im Gegensatz dazu weisen sie Nachteile auf wie potenzielle Brennbarkeit (Propan), Toxizität (Ammoniak) und höhere Druckanforderungen (CO₂).

Synthetische Kältemittel punkten mit ihrer geringen oder nicht vorhandenen Brennbarkeit, guter Anlagenkompatibilität und umfangreichen Erfahrungswerten. Allerdings leiden sie unter hohen GWP-Werten, Auslauffristen durch Verordnungen und zunehmenden Kostensteigerungen.

Die Wahl des Kältemittels bestimmt letztendlich den Energieverbrauch, die Aufstellmöglichkeiten und die Kosten der Anlage. Besonders für Hausbesitzer ist die Zukunftssicherheit ein wichtiger Aspekt, da der Umstieg auf natürliche Kältemittel bereits beschlossene Sache ist.

Gesetzliche Vorgaben und Förderungen ab 2025

Die Gesetzgebung rund um Kältemittel in Wärmepumpen erfährt aktuell tiefgreifende Änderungen. Ab 2025 treten neue Regelungen in Kraft, die sowohl für Hersteller als auch Hausbesitzer wichtige Auswirkungen haben.

F-Gase-Verordnung und ChemRRV

In der Europäischen Union gilt seit März 2024 die novellierte F-Gase-Verordnung (EU) 2024/573, die den Ausstieg aus klimaschädlichen Kältemitteln beschleunigt. Diese Verordnung zielt darauf ab, die F-Gas-Emissionen bis 2030 um 70 Prozent gegenüber 2019 zu reduzieren.

In der Schweiz werden Kältemittel durch den Anhang 2.10 der Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung (ChemRRV) reguliert. Ab dem 1. Januar 2025 treten hier neue Bestimmungen in Kraft, die mit den EU-Regelungen harmonisiert sind. Obwohl die Schweiz die EU-Vorschriften nicht 1:1 übernehmen muss, orientiert sie sich stark daran.

Verbotene und erlaubte Kältemittel

Ab 2025 gelten folgende Einschränkungen für Wärmepumpen:

  • Monosplit-Wärmepumpen: Geräte mit weniger als 3 kg Kältemittel pro Kältekreislauf und einem GWP über 750 dürfen nicht mehr in Verkehr gebracht werden
  • Allgemeine Verbote: Wärmepumpen mit einer Kälteleistung über 600 kW oder einem GWP über 2100 sind grundsätzlich verboten

Für bestehende Anlagen gilt ein Nachfüllverbot:

  • Ab 2025 dürfen Kältemittel mit einem GWP von 2500 oder mehr (wie R404A oder R507) nur noch mit regenerierten Kältemitteln nachgefüllt werden
  • Ab 2030 ist das Nachfüllen solcher Kältemittel vollständig verboten

Wichtig für Hausbesitzer: Bestehende Anlagen müssen nicht ersetzt werden und können weiterhin betrieben werden. Nur Kältemittel mit einem GWP von mehr als 2500 dürfen ab 2030 nicht mehr nachgefüllt werden.

Förderbonus für umweltfreundliche Kältemittel

Die Verwendung natürlicher Kältemittel wird zunehmend staatlich gefördert:

  • In Deutschland gibt es einen Bonus von 5 Prozentpunkten zusätzlich zum BAFA-Basiszuschuss beim Heizungstausch für Wärmepumpen mit natürlichen Kältemitteln
  • Ab 2028 werden in Deutschland nur noch Wärmepumpen mit natürlichen Kältemitteln gefördert
  • In der Schweiz bestehen ähnliche Programme, die den Umstieg auf umweltfreundliche Alternativen finanziell unterstützen

Was Hausbesitzer jetzt beachten sollten

Für Eigenheimbesitzer ergeben sich daraus konkrete Handlungsempfehlungen:

  1. Analyse der bestehenden Anlage: Lassen Sie prüfen, welches Kältemittel Ihre Wärmepumpe nutzt und ob sie von den Regelungen betroffen ist
  2. Keine übereilten Entscheidungen: Von Aktionskäufen alter Modelle mit traditionellen Kältemitteln ist abzuraten
  3. Bei Neukauf auf natürliche Kältemittel setzen: Insbesondere Propan (R290) wird für Ein- und Mehrfamilienhäuser empfohlen
  4. Beratung in Anspruch nehmen: Fachleute können Sie zu Fördermöglichkeiten und den besten Optionen für Ihre spezifische Situation beraten

Bemerkenswert ist, dass bereits heute zahlreiche Wärmepumpen-Modelle mit natürlichen Kältemitteln auf dem europäischen Markt verfügbar sind. Eine Untersuchung identifizierte über 310 Modelle von Luft-Wasser-Wärmepumpen in sieben europäischen Ländern, die mit Propan oder CO₂ betrieben werden.

Sicherheit, Wartung und Entsorgung von Kältemitteln

Die regelmässige Wartung und korrekte Handhabung von Kältemitteln ist entscheidend für die Sicherheit und Effizienz Ihrer Wärmepumpe. Obwohl moderne Anlagen geschlossene Kreisläufe bilden, gibt es wichtige Sicherheitsaspekte zu beachten.

Wartungsintervalle und Dichtheitsprüfungen

Je nach Art der Wärmepumpe wird ein Wartungsintervall von ein bis drei Jahren empfohlen. Gesetzlich verpflichtend ist allerdings nur die jährliche Wartung von Luftwärmepumpen sowie die jährliche Dichtheitsprüfung für Anlagen mit mehr als drei Kilogramm Kältemittel.

Bei diesen Dichtheitsprüfungen gelten folgende Intervalle:

  • Erste Dichtheitskontrolle: 6 Jahre nach Inbetriebnahme
  • Zweite Dichtheitskontrolle: nach weiteren 4 Jahren (10. Betriebsjahr)
  • Alle weiteren Dichtheitskontrollen: alle 2 Jahre
  • Wärmepumpen mit Kältemittel-Splitleitungen: erstmals im 2. Betriebsjahr, danach jährlich

Während der Wartung werden Filter, Pumpen und das Kältemittel untersucht und bei Bedarf repariert oder ausgetauscht. Bei Grundwasser- und Erdwärmepumpen ist zusätzlich eine Kontrolle des Frostschutzgehalts im Kältemittel notwendig.

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Sicherheitsmassnahmen bei brennbaren Stoffen

Die Arbeit mit Kältemitteln erfordert eine Fachbewilligung. Besonders bei natürlichen Kältemitteln wie Propan (R290) sind spezielle Sicherheitsmassnahmen erforderlich, da diese brennbar sind.

Für Wärmepumpen mit Propan gelten folgende Sicherheitsrichtlinien:

  • Bei Aussenaufstellung sind die Sicherheitsvorkehrungen einfacher einzuhalten
  • Innenaufstellung erfordert je nach Füllmenge zusätzliche Massnahmen wie belüftete Gehäuse oder Kältemitteldetektoren mit Sturmlüftung
  • Wärmepumpen mit weniger als 150 g Propan haben keine besonderen Sicherheitsanforderungen

Bei Freisetzungsmessungen werden das Verhalten der Kältemittel und entsprechende Sicherheitsmassnahmen bewertet. Die Belüftung des Gehäuses muss mindestens das zehnfache Netto-Raumvolumen des Gehäuses aufweisen.

Fachgerechte Entsorgung und Recycling

Gebrauchte Kältemittel sind gefährliche und umweltschädliche Abfälle. In der Schweiz sind Konsumenten verpflichtet, ausgediente Kühlgeräte separat zu entsorgen. Diese können kostenlos bei offiziellen Sammelstellen oder Verkaufsstellen abgegeben werden.

Der Entsorgungsprozess umfasst:

  • Fachgerechtes Absaugen des Kältemittels
  • Getrennte Aufbewahrung unterschiedlicher Kältemittel
  • Rückgewinnung von Metall und Kunststoffen
  • Verbrennung der entnommenen FCKW in Sonderabfallöfen

Entscheidend hierbei: Wer eine stationäre Anlage mit mehr als 3 kg Kältemitteln in Betrieb oder ausser Betrieb nimmt, muss dies dem Bundesamt für Umwelt (BAFU) melden.

Was tun bei Kältemittelaustritt?

Im Normalfall tritt kein Kältemittel aus einer Wärmepumpe aus. Alle Geräte werden vor Auslieferung auf ihre Dichtheit geprüft. Dennoch können folgende Sicherheitsmassnahmen einen ungewollten Austritt verhindern:

  • Werksgefertigte Kältekreise, die strengen Prüfungen unterliegen
  • Gesetzlich vorgeschriebene periodische Dichtheitskontrollen
  • Das Wärmepumpen-Gütesiegel als Qualitätsgarantie
  • Regelmässige Schulungen von Technikern

Falls doch Kältemittel austritt, geht die Wärmepumpe in den Störbetrieb – ein Austritt wird daher zeitnah entdeckt. Wichtig ist dann, sicherzustellen, dass im Freien oder in angrenzenden Gebäuden keine Personen gefährdet werden.

Fazit: Welches Kältemittel ist die beste Wahl?

Die Wahl des richtigen Kältemittels für Ihre Wärmepumpe wird zweifellos immer bedeutsamer. Angesichts der bevorstehenden gesetzlichen Änderungen durch die F-Gase-Verordnung sollten Sie als Hausbesitzer entsprechend vorbereitet sein. Natürliche Kältemittel wie Propan (R290) bieten dabei eine zukunftssichere Alternative mit minimaler Umweltbelastung – ihr GWP-Wert von nur 3 spricht für sich.

Der Kältemittelkreislauf bildet das Herzstück jeder Wärmepumpe und ermöglicht erst die effiziente Wärmeübertragung von der Umgebung in Ihr Heizsystem. Obwohl synthetische Kältemittel derzeit noch weit verbreitet sind, zeigt der klare Trend in Richtung umweltfreundlicher Alternativen. Tatsächlich werden ab 2025 nur noch Wärmepumpen mit einem GWP-Wert unter 750 zugelassen sein.

Für bestehende Anlagen besteht allerdings kein Grund zur Sorge. Diese können weiterhin betrieben werden, solange kein Kältemittel nachgefüllt werden muss. Dennoch empfiehlt es sich, bei einem Neukauf bereits heute auf natürliche Kältemittel zu setzen. Zusätzlich profitieren Sie dadurch von attraktiven Förderungen.

Unabhängig von der Art des Kältemittels bleibt die regelmässige Wartung unerlässlich für einen sicheren und effizienten Betrieb. Besonders bei brennbaren Kältemitteln wie Propan sind entsprechende Sicherheitsmassnahmen zu beachten.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Übergang zu umweltfreundlicheren Kältemitteln bereits in vollem Gange ist. Als verantwortungsbewusster Hausbesitzer tragen Sie durch eine informierte Entscheidung nicht nur zum Klimaschutz bei, sondern sichern auch die langfristige Nutzbarkeit Ihrer Heizanlage. Die Zukunft gehört eindeutig den natürlichen Kältemitteln – eine Entwicklung, die sowohl ökologisch sinnvoll als auch wirtschaftlich vorteilhaft ist.

FAQs

Q1. Welche Kältemittel sind ab 2025 für Wärmepumpen nicht mehr zulässig? Ab 2025 dürfen in neuen Wärmepumpen keine Kältemittel mit einem GWP-Wert über 750 mehr verwendet werden. Dies betrifft vor allem fluorierte Treibhausgase wie R410A und R404A, die einen hohen Beitrag zum Treibhauseffekt leisten.

Q2. Was sind die Vorteile von natürlichen Kältemitteln wie Propan (R290)? Natürliche Kältemittel wie Propan haben einen sehr niedrigen GWP-Wert (für Propan nur 3), sind umweltfreundlich, zukunftssicher und preisgünstig. Sie ermöglichen hohe Vorlauftemperaturen und sind unbegrenzt verfügbar, erfordern aber spezielle Sicherheitsvorkehrungen aufgrund ihrer Brennbarkeit.

Q3. Müssen bestehende Wärmepumpen mit älteren Kältemitteln ausgetauscht werden? Nein, bestehende Anlagen müssen nicht ersetzt werden und können weiterhin betrieben werden. Allerdings dürfen Kältemittel mit einem GWP von mehr als 2500 ab 2030 nicht mehr nachgefüllt werden.

Q4. Welche Wartungsintervalle sind für Wärmepumpen empfohlen? Generell wird ein Wartungsintervall von ein bis drei Jahren empfohlen. Für Luftwärmepumpen ist eine jährliche Wartung gesetzlich vorgeschrieben. Anlagen mit mehr als drei Kilogramm Kältemittel benötigen zudem eine jährliche Dichtheitsprüfung.

Q5. Gibt es Förderungen für den Einsatz umweltfreundlicher Kältemittel in Wärmepumpen? Ja, in Deutschland gibt es beispielsweise einen Bonus von 5 Prozentpunkten zusätzlich zum BAFA-Basiszuschuss beim Heizungstausch für Wärmepumpen mit natürlichen Kältemitteln. Ab 2028 werden dort nur noch Wärmepumpen mit natürlichen Kältemitteln gefördert. Ähnliche Förderprogramme existieren auch in anderen Ländern.